Dienstag, 11. Dezember 2012
Kapitel 2


Der Tag begann, wie die Tage zuvor, grau und regnerisch. Rupert wusste, dass der Herbst und bald auch der Winter vor der Tür stehen und dass die Bauarbeiten schnell zu Ende geführt werden mussten, wenn sie vor dem Frost noch fertig werden wollten. Als dann trieb er seine Kameraden zur Eile an. Das Holz, dass auf dem Ochsenkarren neben ihm lag, musste schnell verstaut werden bevor es der Regen aufweichen ließ. Rupert rief seinen aus der Kindheit bekannten Kameraden zu sich ran und befahl den Abtransport, denn langsam tat Eile Not. Mit der Zeit hatte sich nämlich der leichte Regen zu einem richtigen Sturzbach entwickelt. Die Ebene war menschenleer geworden, nur die armen Seelen, die nicht rechtzeitig Zuflucht in den Bauhütten gefunden hatten, verweilten noch auf dem schlammigen Boden, der zunehmend weicher wurde. Als Rupert und sein Kamerad Michael das Holz zur Sammelstelle brachten, krachte ein Blitz in eine Eiche, unter der sie vor ein paar Minuten noch gestanden hatten. Mit vor Schreck geweiteten Augen starrten sie auf den brennenden Baum und konnten nicht recht begreifen, welch Glück sie gerade hatten. Eilig bekreuzigten sie sich und dankten im Geheimen ihren jeweiligen Schutzpatronen.
Rupert wollte einfach nur noch nach Hause, davor musste er aber noch schnellst möglichst den letzten Ochsenkarren mit Holz abliefern. So schnallte die Peitsche auf das Hinterteil des Ochsen aber dieser ließ sich nicht beirren und trabte gemächlich weiter, ungestört des strömenden Regens. In Gedanken war Rupert bei sich zu Hause, ob es wohl heute Kohlsuppe gab? Das wäre köstlich. Hoffentlich nicht wieder Haferschleim, denn irgendwie kann er den Geschmack des Hafers für sich nicht gewinnen. So in Gedanken vertieft bemerkte Rupert nicht, dass der Ochsenkarren angehalten hatte und Michael längst mit dem Abschnallen der Holzstämme beschäftigt war. Eiligst macht er sich ebenfalls daran, bevor noch jemand ihn auf sein Wohlbefinden ansprechen konnte. Denn das wollte er auf jeden Fall verhindern, denn die Lage daheim war schlimm genug. Martha, seine Frau, war wieder einmal guter Hoffnung, das sechste Kind war im Anmarsch aber Martha hatte sehr darunter zu leiden. Es ging ihr nicht so gut, wie bei den anderen Schwangerschaften. Er wusste nicht, was ihm Angst einjagte aber irgendwas verheimlichte Martha ihm, dass wusste er, denn dafür kannten sie sich zu lange. Leise stammelte er das Ave Maria vor sich her, als er den letzten Holzstamm ablud. Es war vollbracht und er konnte sich auf den Heimweg machen. Es würde ein beschwerlicher Heimweg werden, dass wusste er, denn die Wege waren aufgeweicht und er sackte mit seinen Pantoffeln tief in den Boden ein. Hoffentlich verlöre er keinen seiner Schuhe, denn es waren seine einzigen Paar Schuhe, die er besaß.

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Kapitel 1


Wer ermächtigt sich des Rätsels Lösung nachzukommen und findet heraus, wer ich bin. Es ist nicht einfach. Mich gibt es schon lange, viel zu lange um mich an all das zu erinnern, was geschehen ist. In ferner Zeit, dass weiß ich noch, bin ich als Festung entstanden, einzig erbaut aus Holz, aber zum Zwecke des Schutzes meiner Anvertrauten gegenüber denen, die um mich herumsiedeln. Denn es brodelt ständig unter ihnen und Aufstände sind keine Seltenheit. Viele von ihnen habe ich beherbergt und scheitern sehen, sie in ihren intimsten Momenten erlebt und ihre letzten Atemzüge miterlebt. Ich erlebte Aufstiege und Abstiege, Epidemien und Feuerbrünste aber immer bin ich stärker als je zuvor herausgekommen. Mit den Jahren bin ich des Holzes entledigt wurden, man brachte mir Stein aus den umliegenden Gebieten mit und vergrößerte mich. Jeder Repräsentant wollte mir seinen Stempel aufdrücken, ob gewollt oder nicht, ich musste es erdulden. Es führte zu meinem heutigen Aussehen bei, das immer noch von vielen bewundert werden kann.

Wer hat des Rätsels Lösung gefunden? Keiner, das ist jammerschade. Dann muss ich es euch einfacher machen. Aber nicht so eilig, bis jetzt bin ich noch geduldig und wie ihr schon herausgefunden habt, habe ich Zeit, eine Menge Zeit. Ich war und bin Wohnort, Gefängnis als auch eine Herberge der wichtigsten Utensilien meines Landes. Ich bin in dieser Hinsicht immer vertrauenswürdig, wie man sieht. Ich bin schweigsam und geduldig. Wahrscheinlich wisst ihr nicht einmal, dass ich alles weiß, was in meinem Land vor sich geht. Ich bin Spion, ich kann jeden über die Schulter schauen. Einmal war ich eine Lagerstätte für Karten. Es gab berühmte Zeichner, die von gegnerischen Festungen maßstabgetreue Modelle erstellten, so wusste ich über alles bescheid und konnte leider nie etwas damit anfangen. Wusstet ihr, dass ich auch ein Arsenal an Waffen und Rüstungen beherbergte? Nein ? Ist auch nicht weiter schlimm, es wissen die wenigstens und wenn sie es erfahren, fällt dieses Wissen schnell wieder dem Vergessen anheim. Bei mir wurden Waffen und Rüstungen aus dem ganzen Land gesammelt und im Falle eines Krieges, der nie unwahrscheinlich war, verteilt. Krieg gab es oft in meiner Vergangenheit, es rivalisierten die verschiedensten adeligen Familien um ihr Privileg durchzusetzen, das königsverwandteste Familienmitglied auf den Thron zu hieven, ob durch List und Intrige oder einfach und schnell durch Krieg. Einiges führte zum Erfolg, einiges aber zur Inhaftierung und Hinrichtung. Je nachdem, wie geschickt sie sich doch anstellten. Also dann, des Rätsel Lösung gefunden, werte Leser? Seid ihr immer noch im Unwissenden? Es fehlen mir die Worte. Nun werde ich ungeduldig und ärgerlich. Aber ich lass mich nicht beirren und beginne meine lange Geschichte zu erzählen.

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